In der aktuellen Aus­gabe der ZEIT hat Matthias Geis für den Artikel “Ihr da draußen” Poli­tik­er zu ihrer Ein­schätzung des gegen­wär­ti­gen Zorns aus der Mitte der Gesellschaft gegen Stuttgart 21, im Zusam­men­hang mit Sar­razin, Schul­re­for­men u.ä. befragt (lei­der nur in der Print-Aus­gabe, daher kein Link). Auch wenn gegen unsere geplante Bio­gasan­lage keine Demon­stra­tio­nen stat­tfind­en, keine Bürg­erini­tia­tive gegrün­det wurde, nicht gerichtlich gegen unser Vorhaben vorge­gan­gen wird, so ist es doch der Wider­stand von Anwohn­ern gegen eine “grüne” Investi­tion in opti­maler Lage, der nun die dritte Offen­le­gung erforder­lich macht (und damit den Baube­ginn um mehr als ein halbes Jahr ver­schiebt, was uns einiges an Mühe und Kosten verur­sacht). Zwei Aus­sagen von Sig­mar Gabriel und Thomas de Maiz­ière scheinen mir dazu recht gut zu passen. Ich zitiere aus der ZEIT:

Die tat­säch­liche Abwehr der Bürg­er gegen jegliche Verän­derung beschreibt Sig­mar Gabriel aus­ge­sprochen drastisch: “Die Men­schen sind zutief­st verun­sichert und sehnen sich nach einem Ort, wo sich nichts ändert, nichts verän­dert wird, wo sie sich ausken­nen und sich sich­er fühlen. Vor allem dort, wo sie wohnen, in ihrer Heimat, wollen sie nicht auch Verän­derun­gen und Verun­sicherun­gen hin­nehmen müssen. Selb­st das, was schlecht ist, soll so bleiben, wie es ist.” So komme es vor Ort zu Protesten gegen Strom­leitun­gen für erneuer­bare Energien wie gegen Kohlekraftwerke, gegen Schienen­streck­en eben­so wie gegen Straßen. “Das Bekan­nte und Ver­traute wird gegen das Neue und Unbekan­nte vertei­digt,” urteilt Gabriel.

Das ist die sozialdemokratis­che Erk­lärungsvari­ante für den ver­bre­it­eten Kon­ser­v­a­tivis­mus der Leute. Sie unter­schei­det sich weniger in der Diag­nose als in der ver­ständ­nisvollen Ton­lage von der Per­spek­tive Thomas de Maiz­ières, der ein Bild von gle­icher­maßen ver­wöh­n­ten und wehlei­di­gen Bürg­ern zeich­net. “Es gibt ein starkes Gefühl: Alles soll so bleiben, wie es ist. An den Bahn­hof habe ich mich gewöh­nt! Migra­tion? Schlimm genug, wenn es das in Neukölln gibt. Haupt­sache, in Dahlem bleibt es, wie es ist! Das ist”, find­et de Maiz­ière, “ein Struk­turkon­ser­v­a­tivis­mus auf hohem materiellen Niveau. Er wird getreiben durch eine Dif­fuse Furcht und den Willen zur Besitz­s­tandswahrung.”

(Fritz Feger)

One Response to Gabriel und de Maizière zur dritten Offenlegung unseres Plans ;-)

  1. Vollgas Bioenergie sagt:

    Der ZEIT-Artikel ist nun heute abend doch online geschal­tet: http://www.zeit.de/2010/44/Volkszorn

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