„Wir brauchen alle Formen der erneuerbaren Energien und einem vernünftigen Energiemix“, richtete Wibke Brems, energiepolitische Sprecherin der Grünen im Landtag NRW, ihre Botschaft an zahlreicherschienene Landwirte, Naturschützer, Biogasanlagenhersteller Bürgerinnen und Bürger. Brems verwies darauf, dass derzeit im Landtag über die Einschätzung und die Kriterien für Biogasanlagen diskutiert wird und sie daher noch viele Fragen zu klären habe. Zu dieser hochaktuellen Veranstaltung hatten die Kreisgrünen Minden-Lübbecke in Kooperation mit dem Wahlkreisbüro der regionalen Bundestagsabgeordneten Ute Koczy eingeladen.   

Biogasanlagen zur Produktion von Strom und Wärme erleben derzeit in Minden-Lübbecke einen Boom. Zur Zeit werden im Kreis 13 Anlagen betrieben. Weitere acht Anlagen sind genehmigt und sechs weitere in Planung. „Werden alle Biogasanlagen verwirklicht, gibt es im Kreis 27 Biogasanlagen. Davon sind in Rahden insgesamt sieben Anlagen und in Stemwede sechs Anlagen entweder schon im Betrieb, in Bau oder in Planung,“ informierte Moderatorin Koczy zu Beginn.   

Energie aus Biomasse ist eine gute Sache, waren sich viele Anwesende einig. Aber der zunehmende Maisanbau für Biogasanlagen und die Einhaltung der Fruchtfolge sahen einige Anwesenden sehr kritisch. Mit diesen Fragen setzen sich gerade drei Landwirte aus Stemwede auseinander, die eine Biogasanlage planen. Sie haben sich zusammengeschlossen, um eine vernünftige Fruchtfolge auf ihren Äckern zu gewährleisten. Das wurde von allen Diskussionsteilnehmern sehr begrüßt.

„Es gibt eine gute Alternative zu Mais“, stellte Biolandwirt Reinhard Koch aus Petershagen die durchwachsene Silphie, auch „Becherpflanze“ genannt vor. Diese Pflanze sieht einer Sonnenblume ähnlich, ist mehrjährig und wird etwa 2,50 m hoch. Aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion wird sie gerne als Energiepflanze angebaut und steht auch auf einem Versuchsfeld von Reinhard Koch. Sie ist in den östlichen Bundesstaaten der USA und Kanadas verbreitet. Auch in der ehemaligen DDR und der Sowjetunion wurde sie angebaut. Sie ist an trockene Standorte angepasst, da sie, anders als etwa Mais, ihre Feuchtigkeit nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus den Blattbechern beziehen kann. Hat man die durchwachsene Silphie einmal gepflanzt, kann man sie etwa 15 Jahre ernten, schont den Humus im Boden und benötigt keine Pestizide oder Insektizide.   

Diskutiert wurde die immer intensiver genutzten Naturflächen durch den Anbau von Mais und das Fehlen für die Natur so wichtigen Brachflächen. Einig waren sich alle, dass zum Betreiben von Biogasanlagen mit nachwachsenden Rohstoffen viel landwirtschaftliche Fläche benötigt werde. „Das hat auch negative Auswirkungen für die Entwicklungsländer. Auch hier muss ein vernünftiger Konsens gefunden werden“, unterstrich Ute Kocz als entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. 

„Wir müssen etwas tun, denn die fossilen Energien sind endlich. Wir haben ein gemeinsames Interesse und wollen mit den Anlagenbetreibern und der Bevölkerung eine konstruktive Zusammenarbeit „, betont Burghard Grote, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen in Lübbecke. Der Vorschlag von Wibke Brems wurde deshalb gerne aufgegriffen, im nächsten Halbjahr eine weitere Veranstaltung mit einem Referenten aus dem Landesumweltministerium zu planen. Dann wird auch die Diskussion zum Erneuerbare Energien Gesetz weiter fortgeschritten sein.

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Von links: Reinhard Koch (Biolandwirt aus Petershagen), Wibke Brems MdL, Ute Koczy MdB, Dr. Herbert Vollmer (Kreisvorstand Grüne Mi-Lk)

Quelle: GRÜNE OWL, Pressemitteilung

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